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Steuer: Informationen zum deutschen Steuersystem

Steuern sind ein leidiges Thema? Wir machen es dir einfach und erklären dir die Grundfunktionsweisen des Steuersystems mit vielen weiterführenden Informationen.
Das Wichtigste in Kürze
  • Steuer-Definition:

    Das Steuersystem und die Steuern selbst dienen Bund, Ländern und Kommunen dazu, das Staatswesen sowie die Gemeinschaft des Landes zu finanzieren. Es gibt in Deutschland fast 40 verschiedene Steuerarten, die wir entweder direkt (z.B. Einkommensteuer) oder indirekt (z.B. Mehrwertsteuer) entrichten.

  • Einkommensteuer:

    Eine der wesentlichen Steuern für uns alle ist die Einkommensteuer. Sie richtet sich nach der Höhe unserer Einnahmen. Hin und wieder können wir uns sogar einen Teil dieser Steuer sparen und zurückholen. Zudem haben wir einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 9.744 EUR pro Person (2021).

  • Abgeltungssteuer:

    Die Abgeltungssteuer / Kapitalertragsteuer fällt als Unterform der Einkommensteuer auf erwirtschaftete Kapitalerträge an. Sie ist daher für Anlegende und Sparende relevant. Dabei sind Erträge bis 801 EUR pro Person und Jahr durch den Sparerpauschbetrag / Freistellungsauftrag steuerfrei.

  • Vermögenssteuer:

    Die Vermögenssteuer für Wohlhabende ist seit 1997 nicht mehr in Kraft. Dafür wurden unter anderem die Grunderwerbsteuer sowie die Schenkungssteuer und Erbschaftssteuer angepasst – letztere sind indirekte Vermögenssteuern.

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Steuern sind eine öffentlich-rechtliche Geldabgabe ohne eine individuelle Gegenleistung; oft die Haupteinnahmequelle eines Staates. Im Jahr 2020 verzeichnete Deutschland rund 740 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, um damit die Allgemeinheit zu finanzieren. Auf dieser Seite erfährst du, welche wichtigen Steuerarten es gibt, wie du sie sparen kannst und was dann beim Finanzamt passiert. Interessant ist dabei auch die auf Kapitalerträge anfallende Abgeltungssteuer bzw. Kapitalertragsteuer. Übrigens: Wenn du etwa in ETFs investierst und einen Freistellungsauftrag erteilst, kannst du deine Kapitalerträge bis zu 801 EUR im Jahr von der Steuer befreien. Als Ehepaar sind es sogar 1602 EUR pro Jahr. Eine einfache Möglichkeit, in ETFs zu investieren, ist der ETF-Robo von Raisin Invest.

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Hinweis: Die Marke fairr gehört zur Raisin Pension GmbH, eine Tochter der Raisin DS GmbH, in Deutschland bekannt unter WeltSparen.

Steuer Disclaimer

Die Inhalte auf dieser Seite dienen lediglich der Information und stellen keine Steuerberatung dar. Bei Fragen zu deiner persönlichen Steuersituation wende dich bitte an deine Steuerberaterin oder deinen Steuerberater.

Einkommensteuer: Die „deutsche Zentralsteuer“ auf privater Ebene

Sobald du in Deutschland Einkommen erzielst und über den Grundfreibetrag von momentan 9.744 € (2021) kommst, musst du einen Teil davon als Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer an den Staat abgeben. Verheiratete oder eingetragene Lebenspartner haben den doppelten Grundfreibetrag von zusammen 19.488 EUR. 

Fachlich ist dabei von der Besteuerung unserer Einkünfte die Rede. Die Einkommensteuer gilt z.B für Einnahmen aus selbständiger Arbeit, Kapitalvermögen oder der Rente. Die Lohnsteuer wird dagegen auf das Gehalt bzw. den Lohn von Arbeitnehmenden erhoben.    

Daher handelt es sich bei der Einkommensteuer bzw Lohnsteuer auch lediglich um Steuerarten auf der privaten Ebene. Für Unternehmen gelten diese nicht. Stattdessen sind diese dazu verpflichtet, z.B. die Körperschaftsteuer oder die Gewerbesteuer zu zahlen.  

Bei Angestellten läuft die Abgabe der Lohnsteuer automatisch über die monatliche Gehaltsabrechnung. Auch Selbstständige leisten normalerweise Vorauszahlungen, die in der Regel auf dem Einkommen und der Steuerlast des Vorjahres beruhen. Die Information, wie hoch die kommenden Vorauszahlungen sein werden, entnimmt man dem persönlichen Steuerbescheid. 

Die Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer berechnet sich anhand deiner Steuerklasse und der Höhe des Einkommens. Dabei werden alle Einkommensquellen addiert; also alle Einnahmen, die du im entsprechenden Steuerjahr erzielst. Die Steuerklasse (1-6) entscheidet sich über deinen Lebensstand, also ob du z.B. ledig oder verheiratet bist. 

Ledige sind immer in Steuerklasse 1, Alleinerziehende sind in Steuerklasse 2, Verheiratete entscheiden sich oft für eine Mischung aus Steuerklasse 3 und 5 (es ginge aber auch, dass beide in Steuerklasse 4 sind). Steuerklasse 6 trifft auf Personen zu, die einen zweiten Job haben und auch dort mehr als 450 EUR pro Monat verdienen. Die Steuerklasse 6 gilt dann nur für diesen Nebenjob.

Einkommensteuer sparen durch absetzbare Ausgaben

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Wer Steuern zahlt, hat auch Möglichkeiten, Steuern zu sparen. Das passiert über die jährliche Einkommensteuererklärung. 

Relevante absetzbare Beträge sind unter anderem die gesetzliche oder private Krankenversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung, die private Altersvorsorge und diverse Werbungskosten wie etwa der Fahrtweg zur Arbeit oder zur Uni. Du kannst natürlich auch noch viel mehr absetzen. Die genannten Posten treffen allerdings bei vielen Menschen zu und können sich in der Regel am meisten auswirken.

Was passiert eigentlich, wenn ich in der Steuererklärung etwas absetze?

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Wenn du etwas von der Steuer absetzt, berechnet das Finanzamt deine Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer neu. Wie bereits beschrieben, leistest du das ganze Jahr über Vorauszahlungen – entweder über die Gehaltsabrechnung oder direkt ans Finanzamt. 

Die Höhe der Vorauszahlung richtet sich nach dem erwarteten zu versteuernden Einkommen. Also nach deinem Jahresgehalt oder bei Selbstständigen auch oft nach dem Gehalt des letzten Jahres. Wenn du dann später in der Steuererklärung etwas absetzt, verringert sich das zu versteuernde Einkommen im Nachhinein

Das Finanzamt hat also das ganze Jahr deine Vorauszahlungen bekommen. Anschließend erhält es von dir die Steuererklärung. Stellt das Finanzamt dann fest dass du ein niedrigeres zu versteuerndes Einkommen hast, wird die Steuer anhand des niedrigeren Einkommens neu berechnet. Die Differenz zwischen der tatsächlichen Steuerschuld und den zu hohen Vorauszahlungen wird dir erstattet.

Beispiel: 

Nehmen wir an, du hast ein zu versteuerndes Einkommen von 36.000 EUR und deine Einkommensteuer umfasst 22 %. Du leistest also Vorauszahlungen in Höhe von 7.920 EUR. Nun setzt du aber im Nachhinein noch 6.000 EUR ab und dein zu versteuerndes Einkommen umfasst nur noch 30.000 EUR. 22 % davon sind 6.600 EUR. Du hast also 1.320 EUR zu viel Steuern bezahlt und bekommst diese zurück. 

Bitte beachte, dass es sich hierbei um rein hypothetische Werte handelt, um den Prozess beim Finanzamt zu verdeutlichen.

Abgeltungssteuer: Auch auf erwirtschaftete Kapitalerträge musst du Steuern zahlen

Legst du Geld an oder sparst du bei der Bank? Dann ist die Abgeltungssteuer für dich relevant. Auf alle erwirtschafteten Kapitalerträge – also etwa Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne – musst du 25 % Steuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer einplanen.

Was die beiden unterscheidet? Tatsächlich nur, ob Banken und Depot-Anbieter eigenständig die anfallende Steuer ans Finanzamt abführen. Ist das der Fall  ist die Steuerschuld „abgegolten“. Für automatisch abgeführte Steuern gilt daher der Begriff „Abgeltungssteuer“. 

Wird z.B bei ausländischen Banken Geld gespart und angelegt, gilt die Kapitalertragsteuer und du brauchst die „Anlage KAP“. Ausländische Institute sind nicht mit den deutschen Finanzbehörden verbunden und können die eventuell anfallende Steuer deshalb nicht abführen. In der „Anlage KAP“ erklärst du deine Kapitalerträge und versteuerst diese „manuell“.

Abgeltungssteuer / Kapitalertragsteuer sparen, indem du einen Freistellungsauftrag erteilst

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Bei der Abgeltungssteuer oder Kapitalertragsteuer hast du die Möglichkeit, Teile deiner Gewinne steuerfrei zu stellen. Das Zauberwort lautet „Sparerpauschbetrag“. Gewinne von bis zu 801 EUR im Jahr oder 1.602 EUR bei steuerlich zusammen veranlagten Ehepaaren sind von der Abgeltungssteuer oder Kapitalertragsteuer befreit. 

Bei deutschen Banken und Depot-Anbietern kannst du einen Freistellungsauftrag erteilen. Mit diesem Auftrag teilst du der Bank mit, dass sie erst bei steuerrelevanten Gewinnen ab Höhe der erteilten Summe Steuern abführen soll. Bei ausländischen Banken und Depots funktioniert das mit dem Freistellungsauftrag nicht; da brauchst du, wie erwähnt die „Anlage KAP“.

Rente: Wie muss ich meine spätere Rente versteuern?

Bei der Rente gilt seit 2005 die nachgelagerte Besteuerung. Das bedeutet, dass man Einzahlungen in die gesetzliche Rente und private Altersvorsorge bis zum Rentenbeginn steuerlich geltend machen kann, dann aber die Rente als Einkommen zum normalen Einkommensteuersatz versteuern muss. 

Investitionen in die gesetzliche Rentenversicherungen können bis zu 25.787 EUR pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Das läuft über die Steuererklärung. Mit in diese Summe zählen auch Investitionen in eine private Rürup-Rente, sofern du eine hast. Bei der Riester-Rente gilt ein anderer Betrag: Hier darf man höchstens 2.100 EUR im Jahr abzüglich der erhaltenen staatlichen Zulagen steuerlich absetzen. 

Bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gibt es keine Steuervorteile über die Steuererklärung. Stattdessen werden Investitionen in der Gehaltsabrechnung immer direkt vom Bruttoeinkommen abgezogen, bevor dieses versteuert und sozialversichert wird. Das nennt man auch Entgeltumwandlung.

Wenn du eine Lebensversicherung oder sonstige Altersvorsorge-Versicherungen abgeschlossen hast, können solche als Sonderausgaben geltend gemacht werden; jedoch nur, wenn die dort maximal erlaubte Summe von 1.900 EUR bzw. 2.800 EUR bei Selbstständigen noch nicht durch die gesetzliche oder private Krankenversicherung ausgeschöpft wurde.

Schenkungssteuer & Erbschaftssteuer: Die beiden indirekten Vermögenssteuern mit hohen Freibeträgen

Zwei weitere interessante Steuern – wenn auch nicht so häufig anfallend – sind die Schenkungssteuer und die Erbschaftssteuer. Sie fallen den Namen getreu bei Schenkungen (Vermögensübertragungen zu Lebzeiten) und bei Erbschaften an. 

Allerdings haben beschenkte und erbende Personen je nach Verwandtschaftsgrad hohe Freibeträge. Bis zu 500.000 EUR sind steuerfrei, bevor Schenkungssteuer oder Erbschaftssteuer anfallen. 

Die Höhe des Steuersatzes wird durch Steuerklassen – jedoch andere als bei der Einkommensteuer – sowie der Höhe der Schenkung oder des Erbes über den Freibetrag hinaus bestimmt. 

Schenkungen werden in vermögenden Familien dazu benutzt, kommende Erbschaften schon zu Lebzeiten zu regeln und die Erbschaftssteuer im Erbfall zu mindern. Darüber hinaus fällt die Erbschaftssteuer ohnehin nur selten ins Gewicht. 84 % aller Erbfälle in Deutschland – Daten von 2017 – spielen sich unter 100.000 EUR ab.

FAQ zu Steuer

Warum muss ich Steuern zahlen?

Steuereinnahmen dienen in Deutschland zur Finanzierung des Staates und der Allgemeinheit. Du kannst die Höhe deiner zu zahlenden Steuer jedoch beeinflussen, indem du diverse Posten steuerlich geltend machen oder geltende Freibeträge ausschöpfen kannst. Meist funktioniert das über die jährliche Steuererklärung.

Welche Steuern muss ich zahlen?

Die wesentlichsten Steuern sind in Deutschland die Einkommensteuer und die Lohnsteuer. Für alle, die Geld anlegen, ist dabei vor allem die Abgeltungssteuer beziehungsweise Kapitalertragsteuer relevant. Wer erbt oder Schenkungen erhält, muss sich zudem mit der Erbschaftssteuer oder Schenkungssteuer auseinandersetzen. Nebenher gibt es noch diverse Kleinsteuern, die wir entweder direkt oder indirekt an den Staat abgeben.

Fazit: Steuer in Deutschland

Ja, das deutsche Steuersystem ist ziemlich komplex und geht teils sehr in die Tiefe. Am Ende müssen wir aber nur ein paar grundsätzliche Funktionsweisen bei jenen Steuerarten verstehen, die in unserem täglichen Leben relevant sind. Das sind in erster Linie die Einkommensteuer und die Lohnsteuer – sofern wir Geld anlegen spielt dabei die Kapitalertragsteuer / Abgeltungssteuer eine große Rolle. Beide entrichten wir direkt und haben so durch Freibeträge die Chance, die Höhe der Steuer zu mindern.