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Thesaurierende ETFs: Was steckt dahinter, was bedeutet das?

Thesaurierend bedeutet, dass ETFs die erwirtschafteten Renditen und Dividenden automatisch wiederanlegen. Dadurch kommt es zum Zinseszinseffekt. Mehr dazu hier.
Lesedauer 6 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 09.03.2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Definition:

    “Thesaurierend” (griech.: „Thesauros“ – “Aufbewahrung von Schätzen”) bedeutet, dass erwirtschaftete Renditen und Dividenden eines Investmentfonds oder ETFs automatisch ins Anlagevolumen reinvestiert statt ausgezahlt werden. Dadurch kommt es zum Zinseszinseffekt.

  • Zinseszinseffekt:

    Mit dem Zinseszinseffekt ist gemeint, dass du durch das immer stärker zunehmende Anlagevolumen immer höhere Renditen erzielen kannst. Mit jedem guten Jahr an der Börse steigt die Gewinnkurve umso steiler. Beachte dabei die bestehenden Risiken und dass Kurse ständig schwanken. 

  • Anlagestrategie:

    Thesaurierende Fonds können vor allem dann sinnvoll sein, wenn man sich das Ziel des Vermögensaufbaus gesetzt hat. Ob ein ETF thesaurierend oder ausschüttend ist, kannst du dabei leicht herausfinden. Viele ETFs haben z.B. ein „(Acc.)“ in ihrem Namen – das steht für Akkumulation bzw. „wiederanlegend“.

  • Steuer:

    Weil thesaurierende ETFs nichts ausschütten, ist die Steuer abgesehen von der Vorabpauschale erst relevant, wenn du deine Anteile verkaufst. Bei ausschüttenden ETFs müsstest du jedes Mal Steuern zahlen. Es fielen 25 % Abgeltungsteuer + Solidaritätszuschlag + gegebenenfalls Kirchensteuer an.

Du liest gerade:

Stell dir vor, du hast einen thesaurierenden ETF und einen ausschüttenden ETF. In beide investierst du 200 EUR im Monat und das über 20 Jahre. Pro Jahr erwirtschaftest du  bei beiden ETFs – rein beispielhaft – durchschnittlich 7,5 % Rendite. Auf dieser Basis könntest du dich beim thesaurierenden ETF nach 20 Jahren über rund 24.000 EUR mehr Rendite freuen als beim ausschüttenden ETF. Der große und hier ausschlaggebende Unterschied ist, dass die erwirtschafteten Renditen beim thesaurierenden ETF wieder angelegt wurden. Du möchtest in thesaurierende ETFs investieren? Dann sind zum Beispiel die weltweit diversifizierten ETF-Portfolios von Raisin Invest eine Möglichkeit: 


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Hinweis: Die Marke fairr gehört zur Raisin Pension GmbH, eine Tochter der Raisin DS GmbH, in Deutschland bekannt unter WeltSparen.

„Thesaurierend“ – das Erfolgswort der Börse?

Rund 24.000 EUR mehr Rendite in 20 Jahren? Das ist eine ordentliche Summe. Lass uns die Beispielrechnung etwas ausführlicher und nebeneinander betrachten: Was passiert beim „Thesaurierer“ und was passiert beim „Ausschütter“? 

Ein Hinweis vorab: An der Börse hat man es immer mit Risiken zu tun. Ständig schwankende (und sowieso unvorhersehbare) Kurse können auch ganz andere Entwicklungen als durchschnittlich 7,5 % im Jahr hervorrufen. Doch 7,5 % p.a. können historisch betrachtet als Zielrendite eines langfristig angelegten und global diversifizierten Aktienportfolios herangezogen werden.

Anlagezeitraum

Anlagevolumen im thesaurierenden ETF

Anlagevolumen im ausschüttenden ETF

Nach 1 Jahr

2.496,42 EUR 

2.400 EUR 

Nach 5 Jahren

14.500,20 EUR 

12.000 EUR 

Nach 10 Jahren

35.317,11 EUR 

24.000 EUR 

Nach 15 Jahren

65.202,48 EUR 

36.000 EUR 

Nach 20 Jahren

108.106,79 EUR 

48.000 EUR 

Von dem letztendlichen Anlagevolumen von 108.106,79 EUR im thesaurierenden ETF sind insgesamt 60.106,79 EUR erwirtschaftete Gewinne. Beim ausschüttenden ETF belaufen sich die Gewinne im gleichen Anlagezeitraum auf 36.128,46 EUR. Die Summe ist bedeutend kleiner, weil die Gewinne stets ausgezahlt wurden und es keinen Zinseszinseffekt gab.

Was du aus dieser Tabelle lernst:

  1. Im ersten Jahr sind beide ETFs in Sachen Gewinn noch nahezu identisch – logisch, denn in beiden Fällen investierst du ja 200 EUR im Monat. Allerdings stellt sich beim wiederanlegenden ETF durch die reinvestierten Gewinne direkt eine schneller wachsende Tendenz als beim ausschüttenden ETF heraus.

  2. Bereits nach 5 oder 7 Jahren ein Fazit zu ziehen, wäre dem Zinseszinseffekt gegenüber unfair. In der Tabelle erkennst du, dass der Effekt erst ab dem zehnten Jahr wirklich kraftvoll einsetzt. Die Gewinnsprünge von 10 zu 15 und zu 20 Jahren sind beachtlich. Sie wären – eine gute Wertentwicklung der Kurse vorausgesetzt – noch größer, wenn du noch länger dranbleibst.

  3. Je mehr ETF-Anteile du hast, desto größer ist der Zinseszinseffekt. Würdest du anfangs oder zwischendrin eine höhere Extrasumme investieren, könntest du schneller einen stärkeren Effekt hervorrufen. Je mehr Geld in die ETFs investiert ist, desto mehr Geld kann „für dich arbeiten“. 

Die Wiederanlage der erwirtschafteten Gewinne und erhaltenen Dividenden funktioniert bei thesaurierenden ETFs automatisch. Du brauchst dafür nichts zu tun.

Vorteile & Nachteile: Sind thesaurierende ETFs immer besser als ausschüttende?

Nein – das würde pauschal bedeuten, dass alle ausschüttenden ETFs immer schlecht sind. Sie haben natürlich den Nachteil, dass du den Zinseszins nicht ausnutzt und Steuern auf die ausgeschütteten Gewinne zahlen darfst. 

Allerdings können sie in einem diversifizierten Portfolio dennoch vorteilhaft sein. Auch und vor allem in Verbindung mit einem Freistellungsauftrag für Steuerfreiheit bis zu 801 EUR pro Jahr (dazu gleich mehr).

Während thesaurierende ETFs für noch mehr Vermögen arbeiten, verschaffen dir ausschüttende ETFs sozusagen ein passives Einkommen. Viele Anlegende entscheiden sich auch dafür, zuerst jahrelang nur anzulegen und sich dann monatlich einen Teil des Depots auszahlen zu lassen

Steuern: Welchen Unterschied macht das Finanzamt?

Mit Kapitalanlagen – also unter anderem auch ETFs – erzielte Erträge sind steuerpflichtig. Seit 2009 müssen Anlegende 25 % ihrer Gewinne als Abgeltungsteuer + Solidaritätszuschlag + Kirchensteuer bei einer Kirchenmitgliedschaft abführen. Insgesamt reden wir je nach Bundesland über einen Steuersatz von bis zu 27,99 %. Ohne Kirchensteuer sind es in allen Bundesländern 26,375 %

Einen Unterschied zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs gibt es aus steuerlicher Sicht nicht. Ob du einmal einen höheren Gewinn oder jedes Jahr die Jahresrendite versteuerst – 26,375 % bleiben 26,375 %.  

Seit 2018 fällt bei thesaurierenden Geldanlagen jedes Jahr eine steuerliche Vorabpauschale an. Diese ist allerdings marginal – mehr dazu liest du auf dieser Seite. 

Einen entscheidenden Unterschied kann der Sparerpauschbetrag machen. Wenn du einen Freistellungsauftrag erteilst, sind bis zu 801 EUR deines Gewinns pro Jahr steuerfrei. Und: Einmal versteuerte Gewinne – ob wiederangelegt oder nicht – bleiben für immer steuerfrei. 

Manche Anlegende gehen so vor, dass sie bewusst einmal im Jahr Anteile verkaufen, den Freistellungsauftrag ausreizen und das nun steuerfreie Geld dann wieder anlegen. In der Theorie wirkt sich das steuersparend aus, weil man natürlich jedes Jahr die 801 EUR Steuerfreiheit ausnutzt, statt nur einmal ganz am Ende. Allerdings muss man dabei natürlich auch Transaktionsgebühren, Spreads, Währungsunterschiede und weitere Posten beachten, mit denen man gegebenenfalls „den Steuervorteil bezahlt“.

Bitte beachte, dass dieser Text lediglich allgemeine Informationen enthält und keine Steuerberatung darstellt. Bitte wende dich dazu an deine Steuerberaterin oder deinen Steuerberater.

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.


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