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Swap-ETFs: Wie manche ETFs einen Index nachbilden, ohne deren Wertpapiere zu halten

Was hat es mit Swap-ETFs und dem Kontrahentenrisiko auf sich? Wie funktionieren die börsengehandelten Indexfonds, die ihren Index nur synthetisch nachbilden? Die Antworten findest du hier.
Lesedauer 6 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 09.03.2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Definition:

    Swap-ETFs sind normale börsengehandelte Indexfonds, die einen Index nachbilden. Sie handeln aber nicht mit genau den Wertpapieren, die auch in ihrem Index enthalten sind, sondern vereinbaren mit einer Drittpartei, dem sogenannten Kontrahenten, ein Tauschgeschäft. „Swap“ ist Englisch für „Tausch“.

  • Funktionsweise:

    Der Swap-ETF stellt ein Trägerportfolio aus Aktien zusammen, die mit dem eigentlichen Index nichts zu tun haben. Hier hinein investierst du. Der Swap-Partner bildet wiederum den tatsächlichen Index ab. Beim Tausch bekommt dein ETF die Rendite des Partners und andersherum.

  • Hintergrund:

    Der Grund für die sogenannte synthetische Replikation (

  • Risiken:

    Für Laien sind Swap-ETFs recht komplex. Ferner gibt es das sogenannte Kontrahentenrisiko, das bei physisch replizierenden ETFs nicht existiert. Es bedeutet: Sollte der Tauschpartner insolvent gehen, sind bis zu 10 % des investierten Kapitals nicht vor einem Verlust geschützt.

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Auf der elektronischen Handelsplattform der Börse Frankfurt, Xetra, sind 340 von 1.680 ETFs synthetisch replizierend (Stand November 2021). Statt also ihren Index tatsächlich abzubilden wie die meisten anderen ETFs, setzen sie auf ein Tauschgeschäft. Wie funktionieren Swap-ETFs genau und ist das Kontrahentenrisiko schlimm? Das erklären wir dir hier. Und wenn du nach einer konkreten Investitionsmöglichkeit in Swap-ETFs suchst: Mit dem ETF Configurator von Raisin Invest kannst du dir ein Portfolio aus ETFs zusammenstellen und dabei auch auf Swap-ETFs zurückgreifen.

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Hinweis: Die Marke fairr gehört zur Raisin Pension GmbH, eine Tochter der Raisin DS GmbH, in Deutschland bekannt unter WeltSparen.

Warum Swap-ETFs?

Manche Märkte an der Börse kannst du dir wie ein aufgewühltes Meer vorstellen – sie sind hochdynamisch, verändern sich dauernd und schwanken stark. 

Ein physisch replizierender ETF handelt exakt mit den Wertpapieren seines Index – und das in genau der Gewichtung wie sie im Index vertreten sind. Ausnahmen bilden ETFs, die das optimierte Sampling nutzen und nur mit den größten beziehungsweise am stärksten gewichteten Wertpapieren des Index handeln. 

Beim „aufgewühlten Meer“ stoßen sowohl physisch replizierende ETFs als auch die mit optimiertem Sampling an ihre Grenzen. Sie wollen so nah wie möglich an die Rendite des Index herankommen. Allerdings müssen sie sich jedes Mal anpassen, wenn sich der Index und die Gewichtungen der Aktien in diesem verändern. Dabei entstehen Transaktionskosten, die auf die Rendite des ETFs drücken. 

Verändern sich Indizes zu oft und zu stark, würde das die Transaktionskosten in die Höhe treiben. Infolge würde sich der ETF zu sehr von der Rendite seines Index entfernen. Man spricht dabei auch von der „Tracking-Differenz“. (Es gibt übrigens auch einen „Tracking-Error“, womit die Volatilität der Differenz im Zeitverlauf gemeint ist.)

Deshalb ist mit den Swap-ETFs eine besondere Unterkategorie börsengehandelter Indexfonds entstanden. Sie geben dir durch die synthetische Replikation Zugang zu den Renditechancen der aufgewühlten Meere, ohne dass die Wogen etwaiger Transaktionskosten die Rendite verschlingen. Damit gehen aber erstens die typischen Marktrisiken und zweitens das spezielle Kontrahentenrisiko einher. 

Zunächst: Wie funktioniert das?

Tauschgeschäft: Swap-ETF bekommt die Rendite des Swap-Kontrahenten und andersherum

  1. Der Swap-ETF investiert nicht direkt in den Index, den er nachbilden möchte. Stattdessen stellt er ein sogenanntes Trägerportfolio aus Aktien zusammen, die mit dem Index per se nichts zu tun haben (müssen). Beispiel: Ein Swap-ETF auf den DAX, dessen Trägerportfolio aber aus US-Aktien besteht. (Das ergibt streng genommen keinen Sinn, weil der DAX kein schwer zugänglicher Markt ist – das Beispiel dient nur zur einfachen Veranschaulichung.)
  2. Das Ziel des Trägerportfolios ist, die Rendite des eigentlichen Index zu erreichen – und zwar kostenoptimiert sowie gemäß den gesetzlichen Vorgaben zur Risikostreuung.
  3. Dann kommt der Kontrahent ins Spiel – meistens handelt es sich bei diesem um eine Bank (oft Mutterkonzern des ETF-Anbieters, wie beispielsweise Commerzbank und ComStage). Der Kontrahent bildet den tatsächlichen Index nach, von dem sich der Swap-ETF fernhält. Beispiel weiter gestrickt: Der Kontrahent investiert tatsächlich in die 40 Aktien des deutschen Leitindex.
  4. Der Anbieter des Swap-ETFs und der Kontrahent vereinbaren einen Renditetausch. Bedeutet: Der ETF-Anbieter bekommt die Gewinne des Index und der Kontrahent bekommt die Gewinne des Trägerportfolios. Beispiel: DAX-Rendite für den Swap-ETF, US-Rendite für den Kontrahenten. Damit der Tausch aufgeht, sollten sich die Gewinne auf beiden Seiten logischerweise ähneln.
  5. Der Renditetausch findet automatisch laufend statt.

Kontrahentenrisiko: Was ist, wenn die Renditen beider Portfolios zu weit auseinandergehen?

Das Kontrahentenrisiko beschreibt den Fall, dass es auf einer von beiden Seiten zu Problemen kommt – bis hin zur Insolvenz eines Kontrahenten. Das Risiko ist aber begrenzt: Das Gesetz schreibt vor, dass die Renditen beider Seiten höchstens 10 % voneinander abweichen dürfen. Spätestens, wenn die 10 % erreicht werden, MUSS ein Swap stattfinden. Die meisten Kontrahenten vereinbaren niedrigere Benchmarks. 

Zusätzlich können Kontrahenten Sicherheiten vereinbaren. Hier spricht man von „funded swaps“ oder „fully funded swaps“. Das bedeutet, dass derjenige Kontrahent, der in die Aktien des originalen Index investiert, darüber hinaus beispielsweise sichere Staatsanleihen kauft. Damit soll das Risiko weiter reduziert werden. Funded swaps sind teilweise besichert und fully funded swaps sind voll besichert (manchmal sogar bis zu 30 % übersichert). Werden keine Sicherheiten vereinbart, spricht man von „unfunded swaps“. 

Hinsichtlich des Risikos muss dir bewusst sein: Du kannst bei Swap-ETFs im schlechtesten Fall bis zu 10 % verlieren (unabhängig von den allgemeinen Kursrisiken an der Börse). Bei ETFs mit einer physischen Replikation oder mit optimiertem Sampling gibt es im Gegensatz dazu keine Swap-Kontrahenten und somit auch kein Swap-Risiko.

Vorteile & Nachteile von Swap-ETFs

Vorteile:

Nachteile:

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.


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