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Steuern bei ETFs: Viel einfacher zu verstehen, als viele denken

Die vermeintlich komplexen Steuern bei ETFs endlich verstehen – mit den einfachen Erklärungen auf dieser Seite.
Lesedauer 7 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 09.03.2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Steuersatz:

    Sobald du mit deinen ETFs Zinsen, Kursgewinne oder Dividenden erwirtschaftest und sie auszahlen lässt, fällt darauf Abgeltungsteuer an. Wenn du in der Kirche bist, musst du 27,82 % in Bayern und Baden-Württemberg oder 27,99 % in allen anderen Bundesländern einplanen. Ansonsten sind es überall 26,375 %.

  • Sparerpauschbetrag:

    Du kannst einen Freistellungsauftrag erteilen und deinen Ertrag so bis zu 801 EUR pro Jahr steuerfrei machen. Steuerlich zusammen veranlagte Ehepaare dürfen bis zu 1.602 EUR steuerfrei einbehalten. Nur die Erträge, die über die erteilen Freisummen hinausgehen, sind steuerpflichtig.

  • Vorabpauschale:

    Bei thesaurierenden (also wiederanlegenden) ETFs ist seit 2018 eine Vorabpauschale mit steuerlichem Abzug fällig. Die Pauschale ist aber nur bei großen Anlagesummen wirklich erwähnenswert. Zudem greift auch hier ein möglicher Freistellungsauftrag.

  • Steuervorteil:

    Einmal versteuerte Renditen sind in Zukunft nicht mehr steuerrelevant. Durch eine Zusammenstellung deines Portfolios aus thesaurierenden und ausschüttenden ETFs kannst du einen interessanten Steuervorteil hervorrufen.

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Steuer Disclaimer

Die Inhalte auf dieser Seite dienen lediglich der Information und stellen keine Steuerberatung dar. Bei Fragen zu deiner persönlichen Steuersituation wende dich bitte an deine Steuerberaterin oder deinen Steuerberater.

Es sind ausgerechnet die Steuern, die manche davon abhalten, in ETFs zu investieren. Doch so komplex das Thema wirkt – es ist ganz einfach. Erfahre mehr auf dieser Seite. Suchst du außerdem eine konkrete Idee, wie du in ETFs investieren und an der Wertentwicklung der Finanzmärkte teilhaben kannst? Eine Möglichkeit sind die ETF-Portfolios von Raisin Invest – inklusive Sparplan ab 50 EUR im Monat.

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Hinweis: Die Marke fairr gehört zur Raisin Pension GmbH, eine Tochter der Raisin DS GmbH, in Deutschland bekannt unter WeltSparen.

Steuersatz: Wie setzt sich die Abgeltungsteuer zusammen?

Ganz einfach: 

  1. Die Abgeltungsteuer an sich umfasst 25 % deines Gewinns.
  2. Dazu kommt der Solidaritätszuschlag – 5,5 % von diesen 25 % (also 1,375 %). Vielleicht hast du in den Nachrichten gehört, dass der Soli ab 2021 teils abgeschafft werden sollte? Wurde er auch. Aber nicht bei Kapitalerträgen.
  3. Dazu kommt gegebenenfalls die Kirchensteuer – 8 % oder 9 % von der Abgeltungsteuer. Die 25 % Abgeltungssteuer verringern sich ganz leicht, weil sie mit einem Viertel der anfallenden Kirchensteuer verrechnet werden. Auch der Solidaritätszuschlag ist deshalb ein kleines bisschen niedriger.

Das brauchst du aber nicht zu verstehen. 

Merke dir einfach:

  1. Keine Kirche: 26,38 % Steuern in allen Bundesländern
  2. In der Kirche und wohnhaft in Bayern oder Baden-Württemberg: 27,82 % Steuern
  3. In der Kirche und wohnhaft in anderen Bundesländern: 27,99 % Steuern

Die Steuersätze bedeuten, dass von exemplarischen 100 EUR Rendite …

  1. … mit Kirchensteuer in Bayern und Baden-Württemberg 72,18 EUR
  2. mit Kirchensteuer in den anderen Bundesländern 72,10 EUR,
  3. und ohne Kirche in allen Bundesländern 73,63 EUR übrigbleiben.

Je nach Art deiner Geldanlage kannst du von sogenannten Teilfreistellungen profitieren. Für ETFs mit mindestens 51 % Aktien gilt zum Beispiel eine Teilfreistellung von 30 %. Das bedeutet, du brauchst per se nur 70 % der Gewinne zu versteuern. Bei Misch-ETFs mit mindestens 25 % Aktien umfasst die Teilfreistellung 15 %. Bei solchen ETFs mit unter 25 % Aktien entfällt die Teilfreistellung. Besonders hoch ist der Wert bei Immobilien-ETFs mit mehr als 51 % Immobilien-Aktien: 60 % Freibetrag. 

Die Teilfreistellung gilt auch für aktiv gemanagte Fonds – allerdings sind ETFs laut einer wissenschaftlichen Studie langfristig besser (kosteneffizienter) als solche Fonds. ETFs haben durchschnittliche Gesamtkosten von meist deutlich unter 1 % pro Jahr, während aktive Fonds Gesamtkosten von 1,74 % im Jahr haben. 

Freistellungsauftrag: Wie machst du bis zu 801 EUR deiner Erträge steuerfrei?

Ebenfalls ganz einfach:

  1. Dein Depot-Anbieter stellt ein Formular für den Freistellungsauftrag bereit.
  2. In diesem Formular wird vermerkt, ob der volle Betrag von 801 EUR / 1.602 EUR vor Steuerabzug ausgeschöpft werden soll oder nur ein Teil davon. Lediglich eine Teilsumme anzugeben, kann sinnvoll sein, wenn du mehrere potenziell gewinnbringende Depots oder Anlagen hast und deinen Sparerpauschbetrag auf diese aufteilen möchtest.
  3. Du reichst das ausgefüllte Formular beim Anbieter ein und so gilt der Freistellungsauftrag rückwirkend zum 01.01. des laufenden Jahres. Wie lange er gilt, kannst du meist ebenfalls ankreuzen – maximal jedoch bis zum Ende des aktuell laufenden Jahres.

Konkretes Beispiel für Sparerpauschbetrag

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  • Du hast in einen ETF investiert und nach drei Jahren 1.300 EUR Gewinn gemacht.
  • Du bist nicht in der Kirche, verkaufst nun deine Anteile und müsstest eigentlich 26,38 % Steuern auf diese 1.300 EUR entrichten.
  • Du hast aber einen Freistellungsauftrag bis 801 EUR erteilt. Deshalb sind 801 EUR deiner 1.300 EUR steuerfrei und du musst nur 499 EUR versteuern. 
  • 26,38 % von 499 EUR sind 131,61 EUR.
  • Von deinem Ertrag bleiben also 1.168,39 EUR in deiner Tasche.

Steuervorteil bei ausschüttenden ETFs?

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Auf den ersten Blick ist es von Nachteil, wenn ausschüttende ETFs einmal im Jahr die erzielten Erträge auszahlen. Denn diese Ausschüttungen sind sofort steuerpflichtig. Anlegerinnen und Anleger können das aber in einen Vorteil umwandeln: 

Zinsen, realisierte Kursgewinne und Dividenden sind steuerlich in Zukunft nicht mehr relevant, wenn sie einmal versteuert wurden. Auch dann nicht, wenn man sie nach der Besteuerung wieder anlegt und für den Zinseszinseffekt „weiterarbeiten lässt“. 

In Verbindung mit einem Freistellungsauftrag, der ja Steuern bis zu einem Ertrag von 801 EUR „verhindert“, kann das dafür sorgen, dass man unterm Strich viel weniger Steuern zahlt. Noch einmal der wichtige Hinweis: Dies ist keine Steuer- oder Anlageberatung, sondern nur die neutrale Darstellung eines Zusammenhangs, den viele Anlegerinnen und Anleger für sich nutzen.

Demnach kann sich eine gute Mischung ausschüttender und thesaurierender ETFs lohnen. Manche Depot-Anbieter bieten sogar bei ausschüttenden ETFs automatische Wiederanlagen an, womit sich der Prozess „automatisiert“.

Automatische Steuerabfuhr ans Finanzamt

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Wenn Banken und Depot-Anbieter ihren Sitz in Deutschland haben, führen sie anfallende Steuern automatisch an das Finanzamt ab. Daher kommt der Name der Abgeltungsteuer: deine Steuerlast wird automatisch „abgegolten“. 

Wenn ein Anbieter seinen Sitz im Ausland hat, findet keine automatische Abführung der Steuer statt. In diesem Fall ist bei der nächsten Steuererklärung zusätzlich die Anlage KAP erforderlich. Die Jahressteuerbescheinigung liefert wichtige Angaben, die hilfreich sind, um das Formular auszufüllen. 

Mit der Anlage KAP ist es zudem möglich, zu viel gezahlte Abgeltungsteuer erstattet zu bekommen, falls kein Freistellungsauftrag erteilt worden ist. Je nach Situation kann das sehr komplex werden. Deshalb ist der Rat eines erfahrenen Steuerberaters oder einer Steuerberaterin sinnvoll.

Vorabpauschale: Wie viel Steuer musst du bereits vor dem Verkauf deiner Anteile jedes Jahr bezahlen?

Fazit: ETFs & Steuern

Auf den ersten Blick wirkt die Steuerthematik bei ETFs abschreckend – vor allem mit der neuen Vorabpauschale. Am Ende brauchst du dir aber nur zu merken: 

  1. Es gibt drei Steuersätze – einer davon trifft auf dich zu (siehe oben). 
  2. Du musst dich bei inländischen Banken und Depot-Anbietern zur Geltendmachung des Sparerpauschbetrags um den Freistellungsauftrag kümmern. 
  3. Dieser Text dient der allgemeinen Informationen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für detaillierte Informationen zu deiner persönlichen Steuersituation wende dich bitte an deine Steuerberaterin oder deinen Steuerberater.

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.


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