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Replikationsmethoden: Wie baut ein ETF seinen Index optimal nach?

Die verschiedenen Replikationsmethoden von ETFs im Überblick: Was bedeutet physische, optimierte und synthetische Replikation?
Lesedauer 7 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 09.03.2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Definition:

    „Replikation“ ist der Vorgang, mit dem börsengehandelte Indexfonds (ETFs) automatisiert einen bestehenden Index nachzeichnen, um eine möglichst identische Rendite wie dieser Index zu erwirtschaften. Es gibt physische, optimierte oder synthetische Replikation.

  • Physisch:

    Der ETF handelt mit allen Aktien und Wertpapieren, die im Index vertreten sind – in der gleichen Gewichtung. Er baut den Index also „eins-zu-eins“ nach.

  • Optimiert:

    Der ETF handelt nur mit den Aktien und Wertpapieren, die im Index am stärksten gewichtet sind. Alle anderen Papiere lässt er aus. Dadurch sollen unter anderem Transaktionskosten gespart werden. Die optimierte Replikation nennt man auch „Sampling“.

  • Synthetisch:

    Der ETF bildet nicht den Index an sich nach. Stattdessen stellt er ein anderes Portfolio zusammen und geht mit einem sogenannten Swap-Partner ein Tauschgeschäft ein. Synthetisch replizierende ETFs nennt man deshalb „Swap-ETFs“.

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ETFs bilden einen Börsenindex wie etwa den DAX, MSCI World oder S&P 500 nach. Das können sie auf drei verschiedene Arten tun: Mit der physischen Replikation, die sich in „eins-zu-eins“ und Sampling aufteilt, oder mit der synthetischen Replikation. Was ist unter den einzelnen Replikationsmethoden zu verstehen? Welche ist „die beste“? Das erfährst du auf dieser Seite. Und wenn du eine konkrete Möglichkeit der Geldanlage in ETFs suchst, haben wir ebenfalls etwas für dich: Die weltweit diversifizierten ETF-Portfolios von Raisin Invest.

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Hinweis: Die Marke fairr gehört zur Raisin Pension GmbH, eine Tochter der Raisin DS GmbH, in Deutschland bekannt unter WeltSparen.

Du hast bereits von Exchange Traded Funds – also börsengehandelten Indexfonds – gehört und welche Chancen sie unter Beachtung der vorhandenen Risiken bieten? Nun bist du aber auf die sogenannten Replikationsmethoden gestoßen und verstehst nur Bahnhof? Wir helfen dir. Die wichtigste Frage zuerst: 

Was bedeutet die Replikationsmethode für deine Geldanlage?

Im Grunde bedeutet sie erst einmal nichts. 

Börsengehandelte Indexfonds haben immer das Ziel, ihren Index und dessen Wertentwicklung möglichst genau abzubilden. Ob sie das nun eins-zu-eins physisch, optimiert replizierend oder synthetisch tun, ist für dich irrelevant. Die Replikationsmethode an sich hat auf den Kurs des ETFs keinen direkten Einfluss. 

Nur, wenn du das Investmentprodukt sowie die enthaltenen Aktien und Gewichtungen genau nachvollziehen möchtest, lohnt sich ein Blick auf die Art der Replikation. Denn nur bei eins-zu-eins physisch replizierenden ETFs hast du die volle „ETF = Index“-Gewissheit. Bei optimiert replizierenden ETFs können vereinzelt Titel und Gewichtungen auftauchen, die im originalen Index so nicht vorkommen. Swap-ETFs sind rein inhaltlich meist sehr weit vom originalen Index entfernt.

Die meisten verfügbaren ETFs nutzen die physische eins-zu-eins Replikationsmethode. Xetra, der elektronische Handelsplatz der Börse Frankfurt, bietet 1.680 ETFs an (Stand Ende 2021) und hat damit Europas größtes ETF-Sortiment. Fast die Hälfte der dortigen ETFs sind physisch replizierend (816). Gut ein Viertel der ETFs nutzt die optimierte Replikation (525). Swap-ETFs kommen noch etwas seltener vor (339). Das verrät ein Statistik-Sheet von Xetra selbst.

Lass uns noch tiefer eintauchen: 

Was bedeuten die einzelnen Replikationsmethoden?

Physische Replikation / eins zu eins

Ganz bestimmt kennst du den DAX. Er ist das „deutsche Börsenbarometer“ und besteht aus den Aktien der 40 wertvollsten Konzerne Deutschlands. Diese sind gemäß ihrer Marktkapitalisierung (= Börsenkurs x herausgegebene Aktien) verschieden gewichtet. 

Linde hat mit 8,78 % das größte Gewicht im DAX. Das Unternehmen ist momentan das wertvollste Deutschlands. Es folgen SAP mit 8,41 % und Siemens mit 7,50 %. Generell kommen nur 5 der 40 Konzerne auf ein Gewicht von 5 % oder mehr. Dabei handelt es sich um Werte von Ende 2021. Beachte bitte, dass sich die Gewichtung in der Regel vierteljährlich ändert und die obigen Werte nicht mehr aktuell sein müssen. Sie dienen hier nur zur Verdeutlichung der Replikation

Denn worauf wir hinauswollen: Wenn du nun in einen ETF investierst, der den DAX physisch eins zu eins nachbildet, dann handelt der ETF die gleichen Wertpapiere mit dem gleichen Gewicht wie im DAX 

Das bedeutet, dass auch im ETF Linde-Aktien mit einem Gewicht von 8,78 %, SAP-Aktien mit 8,41 %, Siemens-Aktien mit 7,50 % und so weiter enthalten wären. Und das dann mit den jeweils aktuellen Werten.

So funktioniert das auch bei allen anderen weltweiten Indizes, die physisch repliziert werden. Aber: Es funktioniert nur bei Indizes mit einer überschaubaren Größe. Der MSCI World mit seinen mehr als 1.600 Einzeltiteln ist eins-zu-eins kaum nachbildbar. 

Denn je mehr einzelne Titel ein Index enthält, desto teurer wird es für einen ETF, ihn physisch zu replizieren. Sobald sich am Index etwas ändert, muss der ETF ebenfalls aktiv werden und die Aktien sowie deren Gewicht anpassen. Das verursacht Transaktionskosten und die wirken sich auf die Rendite aus, die möglichst gleich zum nachgebildeten Index ausfallen soll. 

Wie löst man das Problem? Indem man anders repliziert:

Optimierte Replikation / Sampling

Viele ETFs, die zum Beispiel den MSCI World abbilden, nutzen die optimierte Replikation oder das Sampling. Es ist beides das gleiche und meint ein Vorgehen, bei dem der ETF nur die wichtigsten 99,99 % der Aktien im Index handelt. Um die Lücke auszugleichen, füllt man den Rest mit anderen Wertpapieren auf

„Was, nur 99,99 % der Aktien und das soll was ändern?“, fragst du dich vielleicht. Aber so ist es. Bei großen Indizes wie dem MSCI World macht die optimierte Replikation mit Verzicht auf die kleinsten Titel im Index einen großen Effekt aus. 

Die zehn oberen Aktien des MSCI ergeben zum Beispiel schon ein Gewicht von knapp 19 % – Apple und Microsoft führen die Liste an (Stand: Oktober 2021). Sie haben zusammen einen Index-Anteil von fast 8 %. Bereits auf Position 10 reden wir nur noch über einen Anteil von 0,7 %. Auch hier verstehen sich die Werte als Momentaufnahme zur Verdeutlichung und müssen nicht mehr aktuell sein.  

Eine Kleinstaktie, die zwar mit unter 0,01 % im Index enthalten ist, sich aber im Vergleich zu Apple oder Microsoft kaum auf die Wertentwicklung des Index auswirkt, braucht nicht im ETF zu sein. Sie verursacht, müsste der ETF sie handeln, nur unnötige Transaktionskosten und mindert potenziell die Gewinne. 

Optimiertes Sampling ist also bei all jenen Indizes die Wahl, die sehr viele Einzeltitel enthalten. Letztlich entscheidet aber nicht der Index über die Methode, sondern der ETF-Anbieter. Dahinter stecken komplexe Analysen, die hier den Rahmen sprengen würden.

Synthetische Replikation / Swap-ETFs

Swap-ETFs zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihren Index nicht original nachzeichnen. Anbieter entscheiden sich vor allem dann für die Swap-Methode, wenn sie einen schwer zugänglichen Markt abbilden möchten. Das können zum Beispiel Währungs- oder Rohstoffmärkte sein. 

Im Kern schließen sich zwei Kontrahenten miteinander kurz. Nämlich der ETF-Anbieter, bei dem du investierst, und ein Kreditinstitut, das deinem ETF-Anbieter die Rendite des eigentlich abzubildenden Index verspricht

Das Tauschgeschäft der synthetischen Replikation ist deutlich komplexer als die physische Replikation oder das optimierte Sampling. Zudem müssen wir hier über das Kontrahentenrisiko sprechen. Dafür haben wir eine Extra-Seite mit allen Infos erarbeitet.

Welche ETF Replikation ist die beste?

Es lässt sich nicht pauschal beantworten, welche Art der Replikation für Anleger am besten geeignet sind. Die Art der Nachbildung hängt vom jeweiligen Anbieter und vom Markt ab, den der ETF abbilden soll. Die Replikation beeinflusst aber auch die Kosten eines ETFs. Daher sollten sich Anleger der unterschiedlichen Zusammensetzungen von ETFs bewusst sein.

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.


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