Die Investmentbranche erfindet ständig neue Produkte, die mit einer Geschichte verbunden sind und sich so besser verkaufen lassen. Ein bekanntes Beispiel aus den letzten Jahren sind die sog. BRIC-Investments. BRIC steht dabei für Brasilien, Russland, Indien und China. Die Idee war, dass diese Länder durch ihr hohes Wirtschaftswachstum und die entstehende Mittelschicht besonders renditeträchtige Anlagechancen bieten sollten.  

Mittlerweile hat sich das Wirtschaftswachstum auch in diesen Ländern abgekühlt und Anleger mussten lernen, dass auch ein solides Wirtschaftswachstum kein Garant für eine gute Börse ist. In letzter Zeit wird nun verstärkt das sog. Minimum Volatility Investing oder kurz Min Vol Investing propagiert. Volatility, auf deutsch Volatilität, bezeichnet dabei die Schwankung, der eine Anlage, z.B. eine Aktie, unterliegt. Eine Aktie mit hoher Volatilität schwankt stärker als eine Aktie mit niedriger Volatilität.
Die Volatilität hat zudem in den letzten Jahren als Risikokennzahl Verbreitung gefunden. Eine Aktie mit niedriger Volatilität, die weniger schwankt, soll auch risikoärmer sein.
Konkret werden bei der Minimum Volatility Strategie die Aktien an der Börse in Klassen eingeteilt und es wird in diejenigen Klassen investiert, die die niedrigste Volatilität aufweisen.

Warum eine Anlage nach Minimum Volatility Gesichtspunkten sinnvoll sein soll, erschließt sich nicht direkt. Schließlich gibt es an den Finanzmärkten in der Regel einen Zusammenhang zwischen Risiko und Ertrag. Wenn Aktien mit niedrigerer Volatilität also risikoärmer wären, müsste auch der Ertrag niedriger sein.

Hier lohnt es sich, das Konzept der Volatilität genauer zu betrachten:

Zunächst ist die Volatilität ein zweischneidiges Schwert, welches für den Anleger durchaus Vorteile haben kann. Denn eine Aktie kann auch nach oben ausschlagen und plötzliche Kurssprünge vollführen. Diese führen zwar zu einem Ansteigen der Volatilität, erfreuen aber sicher jeden, der die betreffende Aktie im Depot hat.
Aber auch Schwankungen nach unten, also vorübergehende Kursverluste, müssen nicht rein nachteilig sein. Zum Beispiel sind solche Kursauschläge für den langfristigen Sparer, der regelmäßig Anteile erwirbt, ebenfalls positiv. Er erwirbt hier mehr Anteile, wenn die Kurse niedriger sind.
Ein Dritter und durchaus problematischer Aspekt der Volatilität ist ihre Unbeständigkeit. So hatten Bankaktien selbst kurz vor Ausbruch der Finanzkrise eine moderate Volatilität, stellten sich dann aber als hoch risikoreich heraus. Volatilität ist also immer eine Momentaufnahme und ihre Vorhersage tückisch.

minimum volalitätDie theoretischen Argumente sprechen also nicht unbedingt für eine Anlage nach Volatilitätsgesichtspunkten. Wie verhält es sich aber mit der Praxis? Wenn die Anlagestrategie funktioniert, sind die Gründe für den Erfolg unter Umständen zweitrangig.
Hier können Verfechter dieser Anlagestrategie mit historischen Daten aufwarten, die zeigen, wie erfolgreich eine solche Anlage in der Vergangenheit gewesen wäre. Neben den generellen Problemen solcher Vergangenheitsbetrachtung stellt sich hier vor allem die Frage nach Korrelation und Kausalität. Denn selbst wenn die Daten auf tatsächlich getätigten Anlageentscheidungen beruhen, stellt sich die Frage, ob die geringe Volatilität für den Anlageerfolg entscheidend war (Kausalität) oder dieser von einem weiteren Faktor getrieben wurde (Korrelation). Wenn bloße Korrelation vorliegt, kann diese zufällig sein und jederzeit enden. Ein ursächlicher Zusammenhang ist dagegen meist beständiger.

In einer Studie der Fondsgesellschaft Dimensional Fund Advisors zeigt Autor Wes Crill, dass in den letzten 40 Jahren Aktien mit geringer Volatilität tatsächlich gute Anlageergebnisse gebracht haben. Im Vergleich zu ihrem augenscheinlich reduzierten Risiko, waren ihre Erträge also „zu hoch“.  Crill zeigt jedoch, dass dies eine bloße Korrelation mit anderen Faktoren war. Geht man weiter als 40 Jahre zurück, schneiden Aktien mit niedriger Volatilität nicht mehr besser ab. Vielmehr war Value der treibende Faktor. Value bezeichnet ein günstiges Kurs-Buch-Verhältnis. Salopp gesagt, ein Schnäppchen am Aktienmarkt. Es ist also für den Sparer sinnvoller und sicherer, auf die wirklich fundamentalen Faktoren am Aktienmarkt zu setzen. Dies tun wir bei fairr.de durch Anlagen in ETFs und Fonds von Dimensional. Oder wie wir sagen: Wissenschaft statt Voodoo.

Exkurs: „Value at Risk“

Neben der Unbeständigkeit der Volatilität spricht noch ein weiterer Aspekt gegen den Nutzen von Volatilität in der Risikosteuerung. Die finanzmathematische Berechnung der Volatilität geht davon aus, dass die Kursausschläge statistisch normal verteilt sind. Dies bedeutet, dass Ausschläge proportional unwahrscheinlicher werden, je größer sie werden. Wenn ich zum Beispiel sage: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie an einem Tag 10% an Wert verliert, beträgt 5%. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie an einem Tag 15% verliert, geringer als 5%. Also ist das Ereignis unwahrscheinlicher.
Aus dieser Annahme hat die Finanzbranche sogenannte „Value at Risk“ Modelle entwickelt, die den maximalen Verlust für eine gewisse Wahrscheinlichkeit berechnen sollen. Größere Verluste sind dann noch unwahrscheinlicher.
Spätestens in der Finanzkrise hat sich jedoch einmal mehr gezeigt, dass dies nicht der Fall sein muss. Sehr große Verluste können deutlich häufiger eintreten als in diesen Modellen vorhergesagt. Sie können vor allem häufiger auftreten als kleinere Verluste. Die Folgen sind bekannt.


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