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Kann ich die Rürup-Rente kündigen, wenn ich das Geld brauche?

Die Rürup-Rente ist unkündbar – außer bis 30 Tage nach Abschluss oder bei Abschluss vor 2008. Bei neueren Verträgen hast du 3 Alternativen.
Lesedauer 7 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 22.12.2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Altersvorsorge:

    Die Rürup-Rente wird auch als Basisrente bezeichnet und ist ausschließlich für die Altersvorsorge gedacht. Aufgrund des sinkenden Rentenniveaus hat der Staat ein berechtigtes Interesse daran, dass deine Investitionen ausschließlich einer Zusatzrente im Alter zugutekommen.

  • Kündigungsrecht:

    Eine tatsächliche Kündigung funktioniert nur bis 14 Tage beim ETF Rürup bzw. einen Monat bei Versicherungen, nachdem man dir die Vertragsunterlagen zugeschickt hat. Um die Rürup-Rente fristgerecht zu kündigen, musst du beim Anbieter einen schriftlichen Widerspruch einreichen.

  • Widerrufsrecht:

    Wenn du deine Rürup-Rente vor 2008 abgeschlossen hast, kannst du sie nur dann widerrufen und rückabwickeln, wenn der Anbieter nachweislich eine schwere Pflichtverletzung begangen hat. Ein allgemeines Widerrufsrecht für Verträge vor 2008 gibt es nicht.

  • Alternativen:

    Wenn du dir die Beiträge nicht mehr leisten kannst, kannst du weniger investieren. Wenn du gar nichts mehr investieren möchtest, kannst du den Vertrag beitragsfrei stellen. Und wenn dir etwa die laufenden Kosten beim aktuellen Anbieter zu hoch sind, kannst du auch den Anbieter wechseln.

Du liest gerade:

Die Rürup-Rente ist unkündbar – außer du widerrufst sie innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsabschluss oder der Vertrag stammt von vor 2008. Ansonsten bleiben dir nur drei Alternativen: Du kannst weniger investieren, den Vertrag beitragsfrei stellen oder den Anbieter wechseln. Los wirst du den Vertrag aber nicht. Mehr dazu hier. Du suchst nach einer neuen Möglichkeit der Altersvorsorge? Sieh den ETF Rürup an, bei dem du dir einerseits Steuervorteile sichern und andererseits an der Wertentwicklung der weltweiten Kapitalmärkte teilhaben kannst: 


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Hinweis: Die Marke fairr gehört zur Raisin Pension GmbH, eine Tochter der Raisin DS GmbH, in Deutschland bekannt unter WeltSparen.

15 Jahre hast du schon in deine Rürup-Rente eingezahlt. Jeden Monat 180 EUR. Das macht ein Vermögen von 32.400 EUR – und die erzielten Renditen kommen noch obendrauf. Sprich: Da ist ordentlich Geld auf dem Rürup-Konto. 

Gerade könntest du das Geld gut gebrauchen. 

Denn in all den Jahren ist viel passiert. Inzwischen hast du Familie und Kinder. Ihr wollt raus aus der Stadt, raus aus der viel zu teuren Mietwohnung. Ihr möchtet ein Haus bauen. Und ihr braucht Eigenkapital für den Kredit. 

Deine Idee also: „Mensch, da sind doch die mehr als 32.400 EUR auf dem Rürup-Konto. Das wäre als Eigenkapital hervorragend… Dann gibt es eben keine zusätzliche Rente im Alter… Die Immobilie ist praktisch unsere Rente.“ 

Doch dein Anbieter macht dir einen Strich durch die Rechnung: 

„Wir können die Rürup-Rente ausnahmsweise zwar auflösen, weil der Vertrag vor 2008 bei uns abgeschlossen wurde. Sie müssen dann aber Ihre Investitionen nachversteuern und würden auch nur einen Teil der Rendite bekommen. “

Was steckt dahinter?

Schädliche Verwendung: Warum kann ich meine Rürup-Rente nicht kündigen?

Dass du deine Rürup-Rente nicht kündigen kannst, hängt mit der prekären Rentensituation in Deutschland zusammen. 

Das Rentenniveau umfasst inzwischen nur noch rund 45 % des letzten Bruttoeinkommens. Die Folge ist eine immer größer werdende Rentenlücke zwischen der gesetzlichen Rente und dem letzten Arbeitseinkommen. 

Wir alle werden diese Rentenlücke haben. Und sehr viele von uns werden sie auch spüren, weil die gesetzliche Rente allein nicht reicht, um einen gewissen Lebensstandard zu halten. 

Die Rürup-Rente wurde 2005 entwickelt, um den Missstand zu beseitigen. Hohe Steuervorteile in der Ansparphase machen es seither attraktiv, sich der privaten Altersvorsorge mit Rürup oder alternativ einer Riester-Rente zu widmen. Genau diese Steuervorteile sind aber auch das Augenmerk bei der „schädlichen Verwendung“. 

Wenn du deine Rürup-Rente vor 2008 abgeschlossen hast, kannst du sie nur dann widerrufen und rückabwickeln, wenn der Anbieter in der Vergangenheit nachweislich eine schwere Pflichtverletzung begangen hat. Das kann der Fall sein, wenn z.B. rechtliche Vorschriften missachtet wurden, bei fehlerhafter Widerspruchsbelehrung oder Falschberatung sowie bei fehlender Aufklärung über die Risiken und das Produkt. 

Nach der Rechtsprechung des BGH können etwa 80 % der Lebens- und Rentenversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 geschlossen wurden, heute noch widerrufen werden.

Bei einer förderschädlichen Rückabwicklung musst Du unter Umständen Steuervorteile zurückzahlen. Denn du hast den Rürup-Vertrag nicht für das verwendet, wofür er da ist und eben trotzdem von den Steuervorteilen profitiert

Gut zu wissen: Dass man Verträge mit Abschluss vor 2008 unter bestimmten Voraussetzungen widerrufen kann, hängt mit einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zusammen. 

Anbieter hatten ihre Kundinnen und Kunden damals nicht ausreichend über das nicht vorhandene Widerrufsrecht informiert. Aus dem Grund durften sie die alten Verträge rückabwickeln. Ein generelles Widerrufsrecht gibt es für Rürup-Verträge nicht. 

Wenn du deine Rürup-Rente nach 2008 abgeschlossen hast, hast du keine Chance auf Widerruf und Rückabwicklung mehr.

Vorher steuerlich abgesetzte Investitionen nachversteuern

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„Wie vermessen vom Staat, mir vorsätzliches Handeln zu unterstellen“, denkst du dir vielleicht. Denn selbstverständlich hast du nicht vorsätzlich gehandelt. Du befindest dich nur in einer neuen Lebenssituation und kannst das Geld gebrauchen. 

Trotzdem: Der Staat möchte die gewährten Steuervorteile zurückhaben. Und die bekommt er, indem du sämtliche Beiträge, die du vorher steuerlich abgesetzt hast, nun zu deinem persönlichen Einkommensteuersatz nachversteuerst

Du kannst diesen Nachteil natürlich in Kauf nehmen. In den meisten Fällen ist das aber nicht sinnstiftend. Denn dadurch, dass du deine Beiträge nachversteuerst, geht zu viel von dem vorhandenen Kapital verloren. 

Wenn du eine Rürup-Rente abschließt, ist das eine bewusste Entscheidung dafür, etwas fürs Alter zu tun. Und zwar im Wissen, dass du nicht mehr an das Geld rankommst, außer in Form der späteren monatlichen Basisrente bis ans Lebensende. 

Alternativen zur Kündigung: Vor allem für Verträge nach 2008 relevant

Du kannst weniger investieren:

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Dazu informierst du einfach deinen Anbieter und teilst ihm die neue gewünschte Höhe deiner Investitionen mit. Wenn du deine Rürup-Rente online verwalten kannst, kannst du die Investitionen meist auch selbst anpassen. 

Du kannst den Vertrag beitragsfrei stellen:

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Auch hierfür wendest du dich einfach an deinen Anbieter. „Beitragsfrei stellen“ bedeutet, dass du fortan nichts mehr investierst und der Vertrag bis zum Rentenbeginn ruht. Ab Rentenbeginn zahlt der Anbieter dir die normale monatliche Rente aus. 

Weil du bis dahin nichts mehr investierst und der Anbieter weiter laufende Kosten berechnet, ist die Rente aber kleiner. Die Kosten werden also nur noch vom vorhandenen Kapital bezahlt.

Du kannst den Anbieter wechseln:

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Bist du unzufrieden mit dem Anbieter, etwa, weil die laufenden Kosten zu hoch sind? Dann kannst du den Anbieter wechseln. Der aktuelle Anbieter hat zwar das Recht, das zu verweigern, ist aber meist so kulant, dass er mitspielt und „nur“ eine Wechselgebühr aufruft. Aufgrund solcher Gebühren ist es wichtig, dass der neue Vertrag wirklich bessere Konditionen hat – sonst lohnt es sich nicht.


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