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Riester-Rente & Selbstständige: Kann ich auch riestern, wenn ich nicht (mehr) angestellt bin?

Ob die Riester-Rente auch für Selbstständige / Freiberufler sinnvoll ist, kommt darauf an, ob du gesetzlich rentenversichert bist oder nicht; sowie auf deine Investitionen. Weiterführend:
Lesedauer 7 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 22.12.2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Voraussetzung:

    „Unmittelbar förderberechtigt“: Das bedeutet, dass du selbst gesetzlich rentenversichert bist und mindestens 4 % deines Bruttoeinkommens abzüglich der Zulagen des letzten Jahres in die Riester-Rente investierst. Diese 4 % verstehen sich bis höchstens 2.100 EUR.

  • Alternative:

    Wenn dein Mann oder deine Frau bereits riestert und die Zulagen erhält und du selbstständig bist, dann bist du mittelbar förderberechtigt. Zahlst du mindestens 60 EUR im Jahr ein, erhältst du die Grundzulage ebenfalls.

  • Jobwechsel:

    Du machst dich später selbstständig? Einige selbstständige Berufe unterliegen genauso der Rentenversicherungspflicht wie Jobs im Angestelltenverhältnis. Falls nicht, darfst du selbst entscheiden, ob du freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) bleibst oder aus dieser aussteigst. Solange du drin bleibst und mindestens 4 % oder 2.100 EUR pro Jahr einzahlst, sind deine Riester-Zulagen sicher.

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Jede Person kann eine Riester-Rente abschließen – ganz egal, ob angestellt oder selbstständig. Ob du aber auch die staatlichen Zulagen erhältst, steht auf einem anderen Blatt. Dazu musst du „unmittelbar“ oder „mittelbar“ förderberechtigt sein. Was das bedeutet, erklären wir dir auf dieser Seite. Ebenso gehen wir auf die Rürup-Rente ein, also das Pendant zu Riester. Dazu sei zunächst der ETF Rürup von Raisin Pension erwähnt, der die Vorteile des Fondssparens mit den Steuervorteilen des Rürup-Mantels kombiniert. Du kannst also an der Wertentwicklung der internationalen Kapitalmärkte teilhaben und gleichzeitig bis zu 25.787 EUR im Jahr steuerlich geltend machen.

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Hinweis: Die Marke fairr gehört zur Raisin Pension GmbH, eine Tochter der Raisin DS GmbH, in Deutschland bekannt unter WeltSparen.

Die Inhalte auf dieser Seite dienen lediglich der Information und stellen keine Steuerberatung dar. Bei Fragen zur Versteuerung deiner Riester-Rente wende dich an deinen Steuerberater oder deine Steuerberaterin.

Diese Seite hilft dir, wenn eines dieser beiden Szenarien auf dich zutrifft: 

  1. Du bist heute schon selbstständig und suchst die richtige Altersvorsorge für dich. 
  2. Du bist heute noch angestellt und machst dich später eventuell selbstständig – und brauchst eine Altersvorsorge, die in beiden Fällen passt. 

Zuallererst: In beiden Szenarien kannst du dich sowohl für eine Riester-Rente als auch für eine Rürup-Rente entscheiden. Viele glaube noch, dass die Riester-Rente nur für Angestellte und die Rürup-Rente nur für Selbstständige sei. Dieses Bild ist aber falsch. 

Beide Gruppen können sich schon immer für den einen oder für den anderen Vertrag entscheiden oder sogar beide abschließen. Beide Formen der Altersvorsorge haben dabei ihre Vorteile und Nachteile

Bei der Riester-Rente muss man speziell beachten: Die Zulagen gibt es nur, wenn man förderberechtigt ist. Förderberechtigt bist du, wenn du gesetzlich rentenversichert bist und gewisse Mindestinvestitionen leistest. 

Unter Umständen kannst du als Selbstständige mit niedrigem oder keinem Einkommen mittelbar förderberechtigt sein, wenn du verheiratet bist und dein Mann oder deine Frau bereits riestert und förderberechtigt ist. Die jährliche Mindestinvestition für die Grundzulage umfasst nur noch 60 EUR.

Riester-Rente für Selbstständige: Sinnvoll?

Die Riester-Rente ist für Selbstständige eher ein Zusatzprodukt und nicht die hauptsächliche Altersvorsorge. Warum? Dafür holen wir etwas weiter aus und kommen noch einmal auf das Bild „Rürup nur für Selbstständige, Riester nur für Angestellte“ zurück. Wo kommt diese Annahme her?  

Die Rürup-Rente gehört zur ersten Schicht des deutschen Altersvorsorgesystems. Diese Schicht beinhaltet alle staatlichen Grundversorgungen und somit auch die gesetzliche Rentenversicherung. Die Riester-Rente findest du dagegen erst in der zweiten Schicht. Sie ist eine rein private Zusatzvorsorge mit staatlicher Förderung

Der Säulen-Unterschied kommt dadurch zustande, dass Rürup initial für Selbstständige entwickelt wurde, die nicht gesetzlich rentenversichert sind und ihre Altersvorsorge daher allein stemmen müssen. Rürup stellt ihre Grundversorgung im Alter sicher, was bei anderen die gesetzliche Rentenversicherung macht. 

Über die Sinnhaftigkeit entscheidet im ersten Schritt schlicht und ergreifend der Versicherungsstatus. Bist du gesetzlich rentenversichert und zahlst du ausreichend ein, bekommst du die Zulagen. Bist du nicht gesetzlich rentenversichert, dann kannst du nur über deinen Ehepartner unmittelbar förderberechtigt werden. Im zweiten Schritt ist für die Entscheidung relevant, wie viel du investieren kannst und möchtest. Das dröseln wir nachfolgend auf:

Gesetzlich rentenversichert?

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Wenn du gesetzlich rentenversichert bist, dann hängt deine Rente im Alter in erster Linie von der gesetzlichen Rentenversicherung ab. Ein etwaiger Riester- oder Rürup-Vertrag nimmt die Rolle einer Zusatzvorsorge ein. 

  • Bei der Riester-Rente wirst du in Form von Zulagen staatlich gefördert und darfst bis zu 2.100 EUR im Jahr steuerlich geltend machen. 
  • Bei der Rürup-Rente hast du keine Zulagen – dafür bewegen sich die Steuervorteile in anderen Sphären. Man kann bis zu 25.787 EUR inklusive der Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung geltend machen.

Wer vor der Wahl eines Riester- oder Rürup-Vertrags steht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Riester-Beitragsgarantie zu einer eingeschränkten Fondsauswahl der Anbieter führt. Dadurch wird die Anlagestrategie konservativ, was sich letztendlich auf die Renditechanchen und mithin auf die Höhe der Riester-Rente auswirkt. Rürup-Anbieter können auf die Beitragsgarantie verzichten. Der ETF Rürup von Raisin Pension mit freier Fondsauswahl und bis zu 100 % Aktienquote könnte für Selbstständige also eine Alternative zum Riester darstellen. 

Vor dem Abschluss eines Riester-Vertrages solltest du dir deine Chancen ausrechnen:

  • Welche Zulagen würdest du bei Riester erhalten? Bei erfüllten Voraussetzungen bekommt man erst einmal 175 EUR Grundzulage pro Jahr. Wer ein Kind oder Kinder hat, für die Anspruch auf Kindergeld besteht, kommt eine Kinderzulage obendrauf. Wurde das Kind vor 2008 geboren, sind es 185 EUR pro Kind pro Jahr, ansonsten 300 EUR.


    Wir nehmen grundsätzlich an, dass du förderberechtigt bist.


  • Wie viel hast du letztes Jahr brutto verdient?
    • Weniger als 52.500 EUR? Dann rechne 4 % von diesem Einkommen aus (Einkommen mal 0,04). Ziehe davon die erwartbare Riester-Förderung ab und teile das Ergebnis durch 12 Monate.
    • Genau oder mehr als 52.500 EUR? Ab 52.500 EUR ist mit den 4 % Schluss. Stattdessen gilt eine Investition von pauschal 2.100 EUR. Nimm also diese 2.100 EUR und ziehe davon die erwartbaren Zulagen ab. Teile auch dann wieder das Ergebnis durch 12 Monate.


Entscheiden: 

  • Kommt bei der Rechnung eine Investition heraus, die du gerade so eben monatlich stemmen könntest? Mit einer Riester-Rente würdest du dich genau im Rahmen bewegen, um förderberechtigt zu sein und deine Investitionen steuerlich geltend machen zu können.
  • Könntest du deutlich mehr investieren? In eine Rürup-Rente könntest du bis zu 25.787 EUR einzahlen und diese auch steuerlich geltend machen. Allerdings zählen die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung mit hinein. Clevere Versicherte rechnen also die Differenz zwischen den GRV-Beiträgen und der steuerlichen Höchstsumme aus und investieren höchstens diese in Rürup.
  • Könntest du dir diese Summe gar nicht leisten? Dann ist es egal, ob du riesterst oder in die Rürup-Rente investierst. Du zahlst einfach das ein, was geht, und machst steuerlich geltend, was du einzahlst. Die Zulagen zur Riester-Rente bleiben dir sehr wahrscheinlich verwehrt oder sind reduziert, wenn du unter 4 % deines Einkommens im letzten Jahr investierst.

Nicht gesetzlich rentenversichert?

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Wenn du nicht gesetzlich rentenversichert bist, ist deine private Altersvorsorge deine einzige Altersvorsorge. Um später ein ausreichendes Renteneinkommen zu haben, musst du heute weitaus höhere Investitionen vornehmen

Mit einem Riester-Vertrag kommt man sehr schnell an die Grenzen. Das Finanzamt erkennt hier nur höchstens 2.100 EUR inklusive der Zulagen steuermindernd an. Obwohl du viel mehr investierst, kannst du nicht mehr absetzen. 

Bei der Rürup-Rente dürftest du jedes Jahr bis zu 25.787 EUR steuerlich geltend machen. Würdest du dich also stattdessen für eine Riester-Rente entscheiden, dann würdest du den Steuervorteil „verschenken“. 

Kannst du dich trotzdem nicht vom Gedanken an die Riester-Rente und die Zulagen lösen? Gerade, wenn du mehrere Kinder hast und hohe Kinderzulagen bekämst, ist das verständlich. In dem Fall könnte man in Erwägung ziehen, als Hauptvorsorge Rürup auszusuchen und Riester höchstens als Zusatzvorsorge abzuschließen.


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